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23.07.2019

Erinnern und Lernen - Kreisweite Veranstaltungsreihe ab Mitte August erinnert an das Kriegsende in der Region

Die Kreisvolkshochschule widmet sich auch im zweiten Halbjahr 2019 mit Exkursionen zu Schauplätzen des Krieges hier im Kreisgebiet. So sind wieder verschiedene Veranstaltungen unter der Leitung von Ralf Anton Schäfer aus Betzdorf vorgesehen, die sich auf die Spuren der letzten Kriegsmonate in der Region begeben.

Im Überblick:

V-Waffen im Westerwald
Samstag, 17. August, 14 bis 18 Uhr

Bei Roßbach im Westerwald startete Ende September 1944 erstmalig Hitlers angebliche „Wunderwaffe – V2“. Bei einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern konnte der Sprengkopf 738 Kilogramm Amatol aufnehmen. Das „Aggregat 4“, so die offizielle Bezeichnung, war eine ballistische Langstreckenrakete, die am 20. Juni 1944 die Grenze zum Weltraum durchstieß. Im Oktober des gleichen Jahres wurde sie durch Propagandaminister Goebbels zur „Vergeltungswaffe 2“, kurz „V2“, erklärt. Die schwere Artillerieabteilung 836 hatte im November 1944 in Hachenburg Quartier bezogen. Bis kurz vor Kriegsende wurden von insgesamt 3170 Abschüssen alleine 432 aus dem Westerwald gestartet. Die Einheit befand sich bis unmittelbar vor dem amerikanischen Einmarsch im Raum Hachenburg im Einsatz, während man die Begleitkompanien (Panzerjäger und Panzergrenadiere) bereits für den infanteristischen Einsatz vorgesehen hatte. Über deren Geschichte und Einsätze wurde bereits mehrfach berichtet, doch immer noch relativ unbekannt dürfte die Zeit kurz vor der Stunde null im März 1945 sein. Während dieser Exkursion möchten wir uns mit der Geschichte der V-Waffen im Allgemeinen befassen und besonders über die Ereignisse im März 1945 informieren.
Wegstrecke: circa 8 Kilometer. Der genaue Treffpunkt wird mitgeteilt.


Das Gefecht bei Eichelhardt
Samstag, 31. August, 14 bis 18 Uhr

Nachdem die 1. US-Armee ihren Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen in östliche Richtung vollendet und die Front der deutschen 15. Armee durchstoßen hatte, begann deren Infanterie, den Raum südlich der Sieg von noch verbliebenen Wehrmachtseinheiten zu säubern. Die sich zurückziehende, geschlagene deutsche Truppe hatte an verschiedenen Punkten noch Verteidigungsposten eingerichtet, um die Amerikaner in ihrem Vormarsch zu verlangsamen. Die 1. US-Infanteriedivision stieß am 27. März bis Eichelhardt vor und befreite die dortigen Zwangsarbeiter, von denen einige dem Hungertod nahe waren. Auf dem anschließenden, weiteren Vorstoß in Richtung Wissen kam es zu einem kurzen, jedoch heftigen Gefecht, in dessen Verlauf ein amerikanischer Jeep und später ein deutsches Sturmgeschütz abgeschossen wurden.
Wegstrecke: circa 6,5 Kilometer. Treffpunkt: Sportplatz, Siegener Straße in Eichelhardt.


Befreiung des Zwangsarbeiterlagers bei Wissen
Samstag, 14. September, 14 bis 18 Uhr

Ende März 1945 stehen die amerikanischen Verbände überall an der Sieg und bereiten sich darauf vor, den Flusslauf zu überschreiten. Bei Wissen fällt die Wahl auf Schönstein, um von dort in Richtung „Kucksberg“ vorzustoßen, damit ein Brückenkopf auf dem Nordufer der Sieg gebildet werden kann. Auf dem Weg zum Kucksberg stoßen die amerikanischen Verbände auf deutschen Widerstand im Bereich des Zwangsarbeiterlagers in der Gemarkung „Bornscheidt“.
Der deutsche Kommandeur des Lagers, Hauptmann Kugel, hatte unmittelbar an das Lager angrenzend mehrere Verteidigungsstellungen errichten lassen. Nach dem Gefecht befreiten die Amerikaner Zwangsarbeiter, die während der Schießerei fast schutzlos eingesperrt in einer der Baracken ausharren mussten.
Erst im Anschluss konnte der Vormarsch in Richtung „Kucksberg“ und über den Sandberg nach Brückhöfe vorgetragen werden. Die Amerikaner bildeten hier einen Brückenkopf, um den sich bis einschließlich den 6. April 1945 heftige Gefechte ereigneten.
Wegstrecke: circa 6,5 Kilometer. Treffpunkt: Wanderparkplatz Ortseingang B62 – Ecke Heubrücke in Wissen.


Amerikanischer Vorstoß in Richtung Herkersdorf
Samstag, 28. September, 14 bis 18 Uhr

Ende März waren die Amerikaner aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen und rückten mit ihrer Infanterie in Richtung Sieg vor. Steineroth war gefallen und Betzdorf lag als Knotenpunkt direkt vor ihnen. Der Verlauf der Sieg erhielt am 29. März 1945 höchst offiziell im Oberkommando der Wehrmacht in Berlin den Namen „Siegfront“. Diese Frontlinie galt es auf deutscher Seite, zunächst noch südlich des Flusslaufes, zu verteidigen. Nachdem Alsdorf erobert worden war, stießen sie in den südlichen Ortsteil Betzdorfs, um von dort aus die Sieg zu überqueren. Im Gebiet zwischen Kirchen-Herkersdorf befand sich zu diesem Zeitpunkt noch immer eine schwache Sicherungslinie, die von wenigen deutschen Soldaten verteidigt wurde. Um diesen stark bewaldeten Bereich von den letzten deutschen Soldaten zu bereinigen, wurde eine verstärkte Infanterieeinheit in Marsch gesetzt, die beiderseits des Imhäusertals gegen Herkersdorf vorgehen sollte.
Bei dieser Exkursion werden wir uns mit den Schießereien zwischen Alsdorf und Grünebach befassen, an die ein heute schon vergessenes Grab für drei Gefallene bis etwa 1948/49 erinnerte.
Wegstrecke: circa 7,5 Kilometer. Treffpunkt: Wanderparkplatz Imhäusertal, Kreisstraße 103 in Betzdorf.


Erste Gefechte südlich Betzdorf: Kämpfe zwischen Eisweiher und dem Alsberg
Samstag, 12. Oktober, 14 bis 18 Uhr

Am 25. März 1945 brach die 1. US-Armee aus dem Brückenkopf von Remagen aus, am 26. März wurde Altenkirchen erobert und der Vormarsch weiter in östliche Richtung vorangetrieben. Auf deutscher Seite befahl die 5. Panzerarmee am 28. März die Bildung mehrerer Brückenköpfe südlich der Sieg, um zurückflutende Truppen aufnehmen zu können. In den frühen Morgenstunden zum 29. März hallte ein Donnergrollen durch das Siegtal; auf Befehl der Heeresgruppe B waren sämtliche noch intakten Brücken über die Sieg gesprengt worden. Am gleichen Tag hatte der Fluss in Berlin offiziell den Namen „Siegfront“ erhalten. Am 29. März 1945 stieß amerikanische Infanterie von Alsdorf her über den Alsberg gegen Betzdorf vor. Im Bereich des Kappelchens nahe der Kettlerstraße stießen sie auf deutsche Soldaten, die den Feuerkampf aufnahmen. Die sich entwickelnden Gefechte führten unter anderem bis zum so genannten Eisweiher im Bereich der oberen Oehndorfstraße. Aus Richtung „Rainchen“ setzte eine deutsche Truppe zum Gegenangriff an, während zur gleichen Zeit eine im Bereich des Alsberges abgeschnittene Gruppe versuchte, sich zur eigenen Linie durchzukämpfen. Diese Exkursion wird die eher unbekannten Ereignisse der letzten Märztage hervorheben und führt dabei an die Punkte des verzweifelten Widerstandes, der niedergekämpft werden musste, bevor die Amerikaner in Betzdorf die Sieg überqueren konnten.
Wegstrecke: circa 5 bis 6 Kilometer. Treffpunkt: Ende der Kettlerstraße bei der Kapelle in Betzdorf.


Kriegsereignisse auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf
Samstag, 26. Oktober, 14 bis 19 Uhr

Die Teilnehmenden erhalten durch die Begleitung des Revierleiters der Bundesforsten exklusiv die Möglichkeit, an einem von nur sechs im Jahr genehmigten Terminen, eine Wanderung über das Gelände des Truppenübungsplatzes mitzumachen. Während sich die erste Exkursion im Juni 2019 im Schwerpunkt besonders um die Ereignisse im März 1945 im Bereich zwischen Nisterberg und Hof befasste, werden die Teilnehmenden nun die Möglichkeit haben, sich direkt mit dem eigentlichen Truppenübungsplatz zu befassen. Da die Geschichte des Geländes sehr weitläufig ist, zudem den Zeitraum vieler Jahrzehnte umspannt, werden wir uns während dieser Wanderung besonders der Ereignisse der Kriegsendphase widmen, wobei die letzten beiden Kriegsjahre thematisiert werden. 1944 war ein in Ausbildung befindliches Bataillon zum Biwak einquartiert, zwei von damals erst 16 und 17-jährigen Burschen sollten wenige Monate später als Fronttruppe zurückkehren. Ende März 1945 werden Teile des südöstlichen Geländes zum direkten Kampfgebiet. Nachdem die Verbände der amerikanischen 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren und über Bad Marienberg in Richtung Haiger vorstießen, schlug ihnen deutsches Feuer entgegen, das es niederzukämpfen galt.
Diese Exkursion wird durch die ehemalige deutsche Frontlinie führen und ist eine außerordentlich seltene Möglichkeit in die Kriegsgeschichte vor Ort einzutauchen.
Wegstrecke: circa 10 Kilometer. Treffpunkt: Am Friedhof, Kreisstraße 109 in Nisterberg.


Vortrag „Was hat Papa im Krieg gemacht?“
Samstag, 2. November, 14.30 bis 16.30 Uhr in Kreisvolkshochschule Altenkirchen, Rathausstraße 12 in Altenkirchen

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist vielen Nachfahren der Kriegsgeneration nicht bekannt, welche Rolle der eigene Vater oder Großvater zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gespielt hat. Während immer wieder nur gemutmaßt oder eventuell im Raum stehenden Gerüchten nachgehangen wurde, blieb die Möglichkeit den eigenen Vater selbst zu befragen, meist ungenutzt.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. Einer der Gründe für das anhaltende Schweigen der Väter dürfte in den durchgemachten, bitteren Kriegserfahrungen liegen, denn nicht selten überschatteten, neben der eigenen Fronterfahrung, die schmerzhaften Erinnerungen an Freunde oder Kameraden, mit denen man gemeinsam in den Krieg gezogen war und deren Wege sich plötzlich – ein für alle Mal – trennen mussten, auch das weitere Leben der Erlebnisgeneration.
Darüber hinaus versuchte man die Schrecken des Krieges zu verdrängen und konzentrierte sich in der Nachkriegszeit erst einmal auf das eigene Überleben. Vielfach wurde Erlebtes vergessen oder auch verdrängt und während 1968 die erste Generation anfing Fragen zu stellen, schwiegen die Kriegsteilnehmer weiterhin aus Angst vor der Anklage der Kinder.
Mittlerweile leben nur noch sehr wenige Zeitzeugen und viele der Kinder und Enkelkinder wissen kaum etwas über den Krieg ihrer Väter. Mit ein wenig Aufwand kann man heute Fragen beantworten: Wo war Vater während des Krieges? Und welche Rolle spielte er dabei? Innerhalb dieses Vortrages wird Ralf Anton Schäfer an verschiedenen Beispielen darstellen, welche Möglichkeiten man heute hat, die Spuren der eigenen Vorfahren an den Fronten des Zweiten Weltkriegs zu erforschen. Hierbei wird die Möglichkeit der Archivrecherche vorgestellt und aufgezeigt, wie die abgefragten Daten weiter verarbeitet werden können. Zu diesem Termin dürfen Interessierte auch gerne vorhandene Dokumente mitbringen.

Es wird für die Veranstaltungen jeweils eine Teilnehmergebühr in Höhe von jeweils 5 Euro erhoben.
Anmeldungen nimmt die Kreisvolkshochschule Altenkirchen unter Telefon 0 26 81/ 81- 22 12 oder per E-Mail an kvhs@kreis-ak.de entgegen. Hier sind auch weitere Informationen erhältlich.

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Foto: © Fotografische Archivsammlung von Ralf Anton Schäfer Eine bei Hennef überrannte Feuerstellung der deutschen Artillerie.