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03.12.2018

Digitalisierte Produktionsprozesse steigern die Wettbewerbsfähigkeit

Veranstaltung der Wirtschaftsförderung zu „Mittelstand 4.0“ – Gastgeber war Firma Georg Maschinentechnik in Neitersen

Welche Chancen und Risiken mit der digitalen Transformation der Wirtschaft einhergehen lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Fest scheint nur zu stehen, dass man angesichts immer härterer Bedingungen auf einem globalisierten Markt ohne die Digitalisierung von Unternehmensprozessen deutlich an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen wird. Dies stellte auch Lars Kober, Leiter der Wirtschaftsförderung Kreis Altenkirchen, zur Begrüßung der Veranstaltung zum Thema „Mittelstand 4.0“ heraus. Gastgeber war die Firma Georg Maschinentechnik GmbH & Co. KG in Neitersen.

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Foto von links Thomas Imhäuser (Geschäftsführer AMS GmbH), Professor Dr. Walter Wincheringer (Hochschule Koblenz), Professor Dr. Horst Idelberger (ehemals Uni Siegen), Jan Viesel (Geschäftsführer Firma Georg) und Lars Kober (Wirtschaftsförderer Kreis Altenkirchen)

Auf Einladung der Wirtschaftsförderung waren kompetente Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft nach Neitersen zu einer weiteren Veranstaltung aus der Reihe „Metall-Forum“ gekommen. Jan Viesel (Geschäftsführer der Firma Georg Maschinentechnik) stellte den Edge Data Analyzer (EDA) vor, eine selbst entwickelte Lösung für mittelständische Unternehmen, den bestehenden Maschinenpark und Neumaschinen zur Prozessdatenanalyse sowie zur Kommunikation von Maschine zu Menschen oder andern Maschinen zu vernetzen, ohne erprobte Technik austauschen zu müssen. Den EDA konnten die Teilnehmer bei einem Betriebsrundgang selbst „in Augenschein“ nehmen. Das Sondermaschinenbau-Unternehmen entwickelt und produziert hauptsächlich Kugelkäfig-Stanzautomaten sowie hydraulische und mechanische Pressen.

Thomas Imhäuser (Geschäftsführer der Firma AMS GmbH in Elkenroth) hat in seinem Unternehmen die Produktionssteuerung hinsichtlich Lagerhaltung, Fertigungszeiten und Informationsfluss mit Hilfe eines Datenbanksystems optimiert. Das Unternehmen fertigt Verkleidungsbleche für Metallfassaden, Zu- und Abluftsysteme sowie Möbel und Kunstobjekte in kleiner Stückzahl und hoher Fertigungstiefe an. Die Programmierung zu einer Datenbank, die alle Baugruppen und Bauteile, bisherige Fertigungszeiten und Erfahrungswerte zusammenfasst und auswertet, war die Lösung. „Heute können wir die Prozesse deutlich effizienter steuern. Wir arbeiten viel weniger auf Zuruf, wodurch die Produktionskosten deutlich reduziert werden konnten. Auch langes Suchen nach Bauteilen entfällt“, stellte Imhäuser fest. Durchgeführt wurde das Digitalisierungs-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Fraunhofer IML Dortmund, zu dem die Wirtschaftsförderung den Kontakt hergestellt hatte.

„Der Erfolg von heute ist kein Garant für morgen.“ Dies betonte Professor Dr. Walter Wincheringer von der Hochschule Koblenz. Er leitet das dort angesiedelte digitale Produktionslabor. Hier können bestehende bzw. neue Produktionsprozesse optimiert und getestet werden. Der Hochschullehrer berichtete anhand konkreter Beispiele von Kooperationsprojekten mit kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) aus der Region, wie digitale Anwendungen in die Praxis umgesetzt werden können.
„Digitale Prozesse ermöglichen Unternehmen eine dynamische Anpassung an sich stetig ändernde Kundenbedürfnisse und turbulente Marktbedingungen“, so Wincheringer. Kapazitäten seien so besser planbar und auslastbar. „Wer auf maßgeschneiderte Lösungen wartet, verliert wertvolle Zeit. In der Praxis muss die Erarbeitung unternehmens-individuell durchgeführt werden“, erklärte Professor Wincheringer.

Professor Dr. Horst Idelberger (ehemals Universität Siegen und beratend für die Wirtschaftsförderung tätig) verglich den derzeitigen Stand der Digitalisierung in KMU mit Technologien aus dem Bereich der Automobilbranche. „Wenn die Endstufe das autonome Fahren ist, sind wir jetzt erst bei Assistenzsystemen wie dem Navigationsgerät“, so Idelberger. Er riet dazu, Prozesse zunächst in Teilschritten zu digitalisieren und betonte, dass eine präzise Datenerfassung die Basis für die Digitalisierung sei. Wichtig sei, bei der Umsetzung die Mitarbeiter „mitzunehmen“. Einig waren sich die Referenten darin, dass Prozesse erst einmal „sauber“ laufen müssen, bevor man sie digitalisiert.

Einer der wichtigsten Voraussetzungen für „Mittelstand 4.0“ ist die Verfügbarkeit hoher Internetbandbreiten. Lars Kober berichtete, wie der aktuelle Stand im Kreis Altenkirchen ist. Hinsichtlich der Umsetzung der Digitalisierung bot er den Unternehmen die Unterstützung der Wirtschaftsförderung an. „Verstehen Sie die Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner, der als Lotse fungiert und gemeinsam mit Ihnen in unserem „Netzwerk Mittelstand 4.0“ geeignete Kooperationspartner bzw. Förderprogramme ausfindig macht. Auch zukünftig möchten wir bei unseren Metallforen die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und heimischen Unternehmen vorstellen. Uns geht es darum, die Vorteile der Digitalisierung an Hand von konkreten Praxisbeispielen den heimischen Unternehmen näher zu bringen. Die Experten an den Hochschulen sind direkt vor unserer Tür. Potentiale, die wir zukünftig viel mehr nutzen sollten bzw. sogar müssen, wenn wir als Region wettbewerbsfähig bleiben möchten.“

Die Wirtschaftsförderung ist telefonisch erreichbar unter: 02681/ 81 3900